Pauls Kindheit
Als es auf das Jahr 2000 zuging, versuchte ich - das
Leben war geruhsamer geworden, unsere 3 Kinder waren inzwischen erwachsen,
die Enkel noch nicht allzu zahlreich - ein bisschen mehr über Paul zu
erfahren. Von seinen Brüdern lebte nun keiner mehr.
Aber was hatten wir
schwarz auf weiß?
Geboren war Paul in
Bochum, aufgewachsen in Aplerbeck, wo die Familie einen großen Garten
hatte und viele Tiere hielt: Hunde, den Hahn "General Picco" und
Zwerghühner, Tauben ..... Paul war ein großer Tierfreund, besonders die Hunde der Familie waren sein Stolz. Das belegen
seine Briefe. Wenn er im Zirkus Tierdressuren mit Hunden sah, verglich er
die Leistungen seiner Dackel, Terrier, Setter damit.
Er war ausgestattet
mit praktischem Verstand verbunden mit einer künstlerischen
Begabung. Vor allem beeindruckt mich immer wieder sein mitfühlendes
Herz . -
Da gibt es (siehe Abschnitt "In Loving Memory") das Foto
von 1904, wo er 15 jährig mit seinem Dackel Waldmann von der Jagd
heimkommt. Dahinter sieht man Gebäude der Aplerbecker Hütte, wo das
Wohnhaus der Familie stand.
Das Foto zeigt Pauls ebenmäßiges Jungengesicht
und daneben seinen Liebling Schnipp.
"Schnipp" war ein Foxterrier, einer in der langen Reihe von Hunden
der Marnachs. Die meisten hießen Schnipp. Dann gab es noch den Setter Trapp. Oder
den Dackel Waldmann, oder Murphi, eine Promenadenmischung.
Paul war
der große Tiernarr der Familie. In
seinem Beitrag zum "Allerheiligenbrief", an anderer Stelle
in "Kindheit am Apfelbaumbach", berichtet er -17jährig
- seiner Mutter, die gerade bei Verwandten in Düren zu Besuch ist:
Aplerbeck,
den 1/XI 06
Liebe
Mama!
Ich
bin Dienstag mit Papas Erlaubnis zum Olympia gewesen. Es wurde dort eine großartige
Foxendressur vorgeführt, mit der Schnipp nicht konkurieren konnte. Heute
auf Aller Heiligen sind wir alle 1/2
8 pünktlich zur Messe gewesen. Ich lasse die Hühner jetzt in den
Garten spazieren, weil sie nicht mehr viel Gemüse und Obst abfressen können.
Die besten Grüße an Papa Lange und Familie Schmidt, verbleibe ich
Dein
innigstgeliebter Sohn
Paul
Und
nun hat Paul seinem Terrier Schnipp die Pfote geführt. Der schreibt,
persönlich und mit krakeliger Schrift, an sein Frauchen:
Schnipp
geht es ganz gut, er isst immer noch sehr viel! Schnipp
Auf
dem Foto rechts hat sich Paul als Großvater verkleidet, mit Zylinder und
Einstecktüchlein, Kneifer und Tabakspfeife. Mit würdigem Gesichtsausdruck
hält er todernst mit
der rechten Hand einen riesigen Bierhumpen auf dem Knie, mit der linken
ein dickes Buch und blickt er
über die Brillengläser, als wolle er fragen: "Wer stört mich
beim Lesen?"
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